Update: 23. Juni 2008

 


23.06.2008      Millionenschwerer Irrtum  -  Letzter Auftritt Pezelys

Rudolf Pezely hatte in der Ratssitzung am 19.06.2008 seinen letzten Auftritt. Seine Darbietung war optisch tadellos. Aber sowohl das Selbstlob, das er reichlich verströmte, als auch eine üble Nachrede hinterließen beim kritischen Zuhörer einen unangenehmen Geruch. Erreicht hat er nichts. Die angestrebte konstruktive Zusammenarbeit von Rat und Verwaltung bewirkte er ebenso wenig wie die Sanierung des Haushaltes.

Die speziellen Marler Verhältnis des gnadenlosen Machtkampfes im Rathaus sind seit 10 Jahren dem Beobachter geläufig. Frau Heinrich war noch gar nicht in Marl tätig, als die CDU im Rat und ihre beiden Beigeordneten Gensler und Hasselmann im Verwaltungsvorstand gegen den damaligen SPD-Bürgermeister Ortlieb Fliedner opponierten. Schon damals waren es sehr persönliche Auseinandersetzungen. „Herr Bürgermeister, Sie haben doch nicht alle Tassen im Schrank!“

Pezely kannte die althergebrachte Feindseligkeit nur vom Hörensagen. Er hatte sich zu Beginn seiner Tätigkeit in Marl mit der Bürgermeisterin verbündet und ihre Konzepte vertreten. Als er feststellte, dass die beiden großen Ratsfraktionen SPD und CDU im Rat alles niederstimmen konnten, wechselte er die Front. Die Aufgabe eines Vermittlers und ehrlichen Maklers war so nicht zu erfüllen.

Positiv  schien sich die Lage der städtischen Finanzen zu entwickeln. Als einzige Stadt des Kreises erlangte Marl eine Genehmigung der Kommunalaufsicht für den Haushalt 2007. Das lag nicht an den Sparmaßnahmen, da auch Mehrausgaben z. B. beim Personal zu bewältigen waren, sondern an den erwarteten Einnahmen aus der Gewerbesteuer. 40 Millionen Euro betrugen die Anmeldungen, auf 43 Millionen hoffte das Rathaus. Die Ratsmehrheit wollte in der alten Tradition der Schönrechnerei 50 Millionen einsetzen. Schließlich standen mit Zustimmung von Bezirksregierung und Pezely 46 Millionen auf dem Papier. Papier ist geduldig -  aber nichts wert. Der Jahresabschluss, der dem Rat nun vom städtischen Kämmerer vorgelegt wurde, weist leider nur 39 Millionen Einnahmen aus der Gewerbesteuer aus. Mehr als 7 Millionen fehlen und erhöhen den gigantischen Schuldenberg der Stadt von bisher 86 auf 94 Millionen Euro. Dazu sagte der „Sparberater“ nichts.

Herr Pezely hat sich verabschiedet. Man braucht ihm nicht nachzutrauern.

 

 

12.06.2008    Pezely macht den Oskar

Der Abgang Rudolf Pezelys ist zwar schon ein paar Wochen her, aber in der nächsten Ratssitzung (19.06.2006) noch mal Thema. Sein fast Oskar-reifes Verschwinden bedauert Bürgermeisterin Uta Heinrich nicht wirklich. Ich auch nicht. Marl braucht ihn nicht mehr, da der Haushalt in Ordnung gekommen ist. Das ist nicht Pezelys Verdienst, auch nicht den Sparvorschlägen der Parteien zu verdanken, sondern eine schöne Folge des Wirtschaftsaufschwungs. Es waren nämlich nicht die Veränderungen auf der Ausgabenseite, ein Märchen, das durch dauernde Wiederholung nicht wahr wird, sondern die kräftig, in vielfacher Millionenhöhe gestiegenen Einnahmen aus der Gewerbesteuer, die jetzt den städtischen Etat sanieren.

Ausgaben wurden nur in geringem Maße gekürzt, auf der anderen Seite auch erhöht, zum Beispiel für zwei zusätzliche Beigeordnete. Noch weitere drei Dezernenten sollten die Verwaltungsspitze aufblähen. Schlimm waren Vorschläge im Bereich Kultur. Pezely wollte sogar die Stadtbücherei schließen, die Ratsmehrheit mit SPD und CDU kürzte die Beschaffungskosten für neue Medien. 

Wenn Pezely wirklich meinte, er könne zusammen mit der Ratsmehrheit der Bürgermeisterin fast alle Befugnisse wegnehmen und sie auf repräsentative Aufgaben reduzieren, dann versucht er, das Votum der Wähler zu ändern, die Frau Heinrich als hauptamtliche Bürgermeisterin gewählt haben und das heißt auch als Chefin der Verwaltung. Das muss scheitern. Deshalb ist es gut, dass der „Berater“ seinen Hut genommen hat.

Schade nur, dass Pezely ein Chaos hinterlässt. Die Heinrich-Gegner werden Zeter und Mordio schreien, das Ende der Demokratie herbeireden und einen Sturm von Leserbriefen entfachen. Gerichte werden für Marl zu klären haben, was Recht ist, was anderswo gilt und anerkannt wird.

 

 

07.06.2008     Pippi Langstrumpf hüpft durch die Ratsstube

Man wirft den Politikern vor, nicht genügend Kontakt zum Wahlvolk zu halten. Nicht nur die Regierung, auch die Abgeordneten seien „abgehoben“. Das stimmt. Nur in seltenen Ausnahmefällen werden Entscheidungen im Sinne des Volkswillens geändert wie jüngst bei den Diäten. Der Zeitpunkt war extrem schlecht gewählt, weil die Nominierungen der Kandidaten für die nächste Bundestagswahl anstehen. Nur da braucht man das Wohlwollen der Basis.

Es gilt nicht nur für Politik in Berlin, sondern auch in Marl. Aber unsere Mitglieder des Rates der Stadt haben immer wieder ein schlechtes Gewissen dabei und korrigieren ihre Haltung, wenn die Wähler nur ordentlich Druck machen. Es genügt schon eine kleine Gruppe wie die Freunde der Jugendbücherei „Türmchen“. Mitten in der Ausschuss-Sitzung in der Ratsstube springt eine Pippi Langstrumpf durch den Raum, hüpft und singt und stellt ihre Forderungen. Klar, dass sie erfüllt werden.

Man muss über diese Art der Bürgerbeteiligung einmal grundsätzlich nachdenken. Weil eine Gruppe ihre Wünsche durchsetzt, müssen evtl. andere leiden. Die Gefahr bestand hier ernsthaft, denn der Sparberater, der zum Glück wieder entschwundene Rudolf Pezely, hatte den unsäglichen Vorschlag gemacht, die Zentralbücherei zu schließen. Aber die Betroffenen reagierten mit einer Unterschriftsaktion, legen den massenhaften Protest im Ausschuss schriftlich vor und – siehe da – der Vorschlag war geplatzt.

Eigentlich soll eine repräsentative Demokratie anders funktionieren. Man wählt seine Vertreter, die meist einer Partei angehören, in den Rat. Dort bündeln sie sich in Fraktionen und vielleicht Koalitionen. So weit, so gut. Nun müsste nach internen Diskussionen von Für und Wider die Linie für Entscheidungen in Sach- und Personalfragen festgelegt werden, zum Beispiel über den Bau einer Straße. Mit gut überlegten Begründungen tritt man an die Öffentlichkeit. Nach den Gegenreden der Konkurrenz wird mit einer Abstimmung entschieden.

Nun melden sich Betroffene zum Beispiel mit Leserbriefen. Es bildet sich eine Bürgerinitiative. Die Zeitungen betreiben „Betroffenheitsjournalismus“. Einige Bürger hätten durch die Maßnahme wirklich persönliche Nachteile. Über die Vorteile der geplanten Maßnahme für das Gemeinwesen redet man nicht mehr.  

 

 

04.05.2008      „Die 200 Häuser sind vom Tisch“

Die Marler Zeitung schrieb am 3. Mai 2008: „Die 200 Häuser sind vom Tisch“. Das sagte Hubert Schulte-Kemper, der bisher ebenso wie die SPD eine eher zögerliche Haltung zum China-Projekt eingenommen hatte.

Es fällt nicht schwer, dem CDU-Chef in seiner neuen, wegweisenden Haltung zuzustimmen. Denn er hat einfach Recht in der Sache. Das Handelszentrum kommt nur, wenn die Stadt Marl schnellstmöglich den ersten Bauabschnitt genehmigt, natürlich erst nach Prüfung des Bauantrages, von dem jetzt alles abhängt.

Noch auf der Info im Ratssaal vertrat Karl-Heinz Dargel die Ansicht, erst müsse auch beim zweiten Bauabschnitt alles klar sein, ehe man mit dem ersten beginnen darf. Das ist der Weg der Verhinderung. Ein politischer Trick: Man spricht dafür und arbeitet dagegen.

Vielleicht hat HSK beim Spatenstich zur Gartenstadt darüber nachgedacht, dass seine Ablehnung der Westerweiterung ein Fehler war. Den Marler Bürgern kann man empfehlen, der städtischen Wirtschaftsförderung und dem Baudezernat zu vertrauen. Wir werden noch alle stolz und glücklich sein, wenn an der Herzlia-Allee repräsentative Gebäude und wertvolle Arbeitsplätze entstehen.

 

 

02.05.2008       Die SPD und das China-Projekt

“Wir müssen unsere Kritik gegen die Bürgermeisterin richten!“ Das schrieb ein Genosse zum Thema chinesisches Handelszentrum. Das sagt die SPD auch bei fast jedem anderen Thema.

Aber wäre es nicht besser, eine Meinung der Marler SPD zur Sache vorzubringen? Eine Meinung, die auch mit der Linie der Bürgermeisterin übereinstimmen kann. Es gab doch gute Erfahrungen im Schulterschluss mit Frau Heinrich. Die Westerweiterung kommt. Die Gartenstadt für die Schlenke-Siedler wird gebaut. Das war nur mit der SPD möglich. Die Bürgermeisterin konnte erst wieder handeln, als nach dem SPD-Wahlsieg 2004 der Blockadebeschluss mit 26 zu 25 Stimmen im Rat gekippt wurde. 

Mit Hilfe der Neuma wurde die Gartenstadt geplant und nun der erste Spatenstich vollzogen. Ein toller Erfolg der Stadtentwicklung und der Wirtschaftsförderung, den sich auch die SPD gutschreiben kann. Die Gartenstadt wurde notwendig, um den Chemiepark erweitern zu können. Sie dient dem Erhalt und der weiteren Entwicklung unserer wichtigsten heimischen Branche. Es gelang nur dank der SPD, die aber nicht mit feiert. Stattdessen drängeln sich Schulte-Kemper und Dargel in den Vordergrund des Pressebildes.

Und nun das China-Projekt. Mögen die SPD-Spitzenleute dieses Projekt nicht, weil sie der BM den Erfolg nicht gönnen? Warum setzen sie sich nicht an die Spitze der Projekt-Befürworter mit dem Motto „Klare Kante für Arbeitsplätze“, das schon bei der Westerweiterung galt. Beim chinesischen Handelszentrum geht es nun um noch mehr, nicht um den Erhalt vorhandener Strukturen, sondern um eine neue Struktur. Das ist echter Strukturwandel, der immer beschworen wird, aber in Marl noch aussteht. Wir brauchen mehr Dienstleistungen auf hohem Niveau für die jungen Leute und die Zukunft der Stadt.

Noch längst nicht ist das Projekt in trockenen Tüchern. Wer sich dafür einsetzt, geht das Risiko ein, scheitern zu können. Sollte es wirklich scheitern, tanzen Fritz Dechert und Stefan Rüter vor Freude auf den Tischen des Ratssaales.

Was kommt beim Bürger besser an?

   o   Wenn man kämpft und alles versucht, um Erfolg zu haben, aber es nicht schafft?   Oder

   o   Wenn man Bedenken und Vorbehalte äußert, sich ewig nicht entscheiden kann, ob man
        richtig dafür oder doch eher dagegen ist, und nur nach einer „Schuldigen“ sucht, der man
        das Scheitern in die Schuhe schieben kann?

Auch wer aus persönlichen Gründen Mühe hat, mit Frau Heinrich zusammen zu arbeiten, sollte anerkennen, dass das China-Projekt einen riesigen Nutzen für Marl haben kann und die Bürgermeisterin es deshalb nach Kräften fördert. Die SPD muss dabei sein.

 

24.04.2008    Informationsveranstaltung zum China-Projekt

Das Interesse war riesengroß. Der Ratssaal musste in das Foyer erweitert werden. Die Stimmung zum Projekt wurde durch echtes Informationsinteresse geprägt und war mehrheitlich positiv. Dabei muss man bedenken, dass die meisten Kritiker kommen, während die Befürworter eher zu Hause bleiben. Natürlich sind auch viele Menschen skeptisch. Die Vortragenden haben die Sachlage seriös dargestellt und eine gute Figur gemacht.

Solange die Chinesen keine Pläne vorlegen, müssen viele Fragen unbeantwortet bleiben. Aber wehe, wenn man die Info-Veranstaltung mangels Fakten abgesagt hätte. Was hätte man der Bürgermeisterin dann vorgeworfen?

Das Rathaus tut alles, was es kann, um das Handelszentrum nach Marl zu holen. Und das ist auch gut so.

 

 

29.04.2008       Nach dem Spatenstich

Die WAZ schrieb zum Spatenstich nur einen einzigen positiver Satz. Die Gartenstadt sei „etwas Schönes“. Danach kommt schon Frust durch: Die Verantwortlichen „loben sich gegenseitig“.

Beim ersten Spatenstich für die Gartenstadt, die Ersatzsiedlung für die Mieter der Schlenke, konnte man doch das happy end eines langen melodramatischen Schauspiels der Marler Kommunalpolitik feiern. Die Mieter waren wegen Eigenbedarf der Industrie gekündigt worden. Was wurde daraus gemacht?

Dass die Grünen keine Westerweiterung des Chemieparks wollen, überraschte nicht. Dass aber die CDU so intensiv gegen die wirtschaftlichen Interessen der Stadt, der Region und des Landes vorging, war nur durch den Machtkampf gegen die Bürgermeisterin zu erklären. Diese hatte das Projekt von ihrem Vorgänger Dr. Fliedner übernommen. Die CDU meinte wohl, es sei unpopulär und man könnte es verhindern mit Hilfe des Protestes der Betroffenen, nur um der Bürgermeisterin eine deftige Niederlage zu bescheren. Tatsächlich wurde das Projekt im Dezember 2002 zu den Akten gelegt. CDU und Grüne hatten im Rat die Mehrheit aber nur bis zur Wahl 2004. Danach war wieder die SPD stärkste Partei. Sie setzte sich mit dem Motto „Klare Kante für Arbeitsplätze“ im Bündnis mit der Bürgermeisterin durch.

Das war weitsichtig und mutig, denn die Schlenke-Siedler waren SPD-Wähler.

Jetzt staunt man, wer sich beim Spatenstich zeigte. Die SPD fehlte bzw. sie hielt sich im Hintergrund, vorne stand die CDU. Schulte-Kemper meinte doch wahrhaftig, man sei ihm Dank schuldig.

 

 

25. 04. 2008     Spatenstich für die Gartenstadt

Werner Bergerhoff war Kopf, Herz und Sprachrohr der Schlenke-Siedler. Auch er zieht um in die neue Gartenstadt. Wenn man sein Haus und den Garten in der Schlenke kennt, versteht man seinen Widerstand. Aber er hatte, wie die meisten Schlenke-Bewohner, nur einen Mietvertrag, und muss nun der Westerweiterung des Chemieparks weichen.

Ein schwieriges Projekt ist nun endgültig auf dem Weg zum Erfolg. Man erinnert sich an hitzige Debatten im Rat. Schulte-Kemper: „… nur über meine Leiche“. Tatsächlich konnte er dank zeitweiliger Ratsmehrheit das Projekt zwei volle Jahre blockieren, bis nach der Wahl 2004 eine neue Abstimmung mir 26 zu 25 die Blockade brach. Ein Erfolg der „Koalition der Vernunft“ der SPD mit der Bürgermeisterin zuzüglich FDP und BUM. So etwas gab es mal!

Auch die Neuma kann stolz sein. Die städtische Marler Wohnungsbaugesellschaft hat still und erfolgreich die vielen schwierigen Details mit den Betroffenen geklärt.

Sie alle zusammen können mit Recht am Montag Schampus trinken und sich mit dem Minister fotografieren lassen. Was für ein Gesicht wird HSK zeigen? Wie man ihn kennt, wird er den Erfolg jetzt für sich reklamieren, anstatt die verlorene Wette einzulösen.

 

 

23.08.2007         Kommt nun ein ordentlicher Haushalt?

 

Die Richtungsentscheidung, die der Rat der Stadt treffen muss, lautet:
Bewegen wir uns innerhalb der Barrieren, die uns der Berater Pezely in der Sondersitzung des Rates am 20.08. aufgezeigt hat – oder nicht.

Nicht gehen die folgenden Punkte des am 23. März beschlossenen Haushalts:
  o    Der sofortige Verkauf der Erbpachtgrundstücke für 17 Mio. Euro ist illusionär.
  o    Forfaitierung der Konzessionsabgaben ist nur eine andere Art, Schulden zu machen.
  o    Globale Minderansätze. Es muss haushaltsstellenscharf gespart werden.

Es empfiehlt sich, die Einnahmenseite so belassen, wie von der Verwaltung vorgelegt. Sie sieht ja durch die neue Steuerschätzung viel freundlicher aus als im März.

Veränderungen auf der Ausgabenseite werden möglich sein. Das ist Kleinarbeit. Insgesamt sollte aber die Summe der Ausgaben nur wenig den Ansatz der 6. Liste überschreiten.

Aber man könnte ja auch so vorgehen, wie es einige Redner der Sondersitzung am 20. August gefordert haben:
  o    Was kümmern uns die Vorlagen von Heinrich und Pezely!
  o    Der Rat macht seinen Haushalt selbst.

Dann kriegen wir gar keinen Haushalt. Den Ratsbeschluss wird die Kommunalaufsicht kassieren. Ob wir sofort oder später unter Zwangsverwaltung gestellt werden, warten wir in Ruhe ab. Wir werden selbst keine detaillierten Sparvorschläge machen, die uns die Betroffenen übel nehmen könnten (Türmchen).

Pezely, die Bürgermeisterin und die Aufsichtsbehörden müssen alles alleine verantworten. Wir sind fein raus.

Im Wahlkampf würde es allerdings schwer sein, den Leuten zu erzählen, wir wollen Verantwortung übernehmen, wir wollen Marls Zukunft gestalten.

 

 

14.02.2007           Die letzten Zechen schließen

                               Alle freuen sich

Über zwei Dinge muss man sich wundern. Dass es auf einmal so schnell ging. Und dass (fast) alle zufrieden und erleichtert sind.

Dass es so schnell ging, lag an der intensiven professionellen Vorbereitung, die im Wesentlichen hinter verschlossenen Türen stattfand. Protagonist war zweifellos Werner Müller, der schlaue und zielstrebige Chef der RAG AG. Er wusste seit der Wahl im Mai 2005 in NRW, dass nun die politischen Rahmenbedingungen stimmten. Müller wollte aus seiner RAG ein normales Unternehmen machen, das nicht mehr von staatlichen Subventionsbeschlüssen abhängen sollte. Er wollte gleichberechtigt im Kreis der Ruhrbarone auftreten, auf gleicher Augenhöhe mit den Chefs von RWE und E.ON. Dazu musste er aus den ertragstarken Teilen seines Konzerns, der Chemie, der Energie und den Immobilien, ein börsennotiertes Unternehmen machen. Mit anderen Worten: Er musste die Kohle loswerden, die als Ballast wirkte und das Unternehmen unbeweglich machte. 

Müllers Partner waren der NRW-Ministerpräsident Rüttgers, der seinen Landesetat durch Entfall der Bergbau-Subventionen sanieren wollte, und Gewerkschaftschef Schmoldt. Während Rüttgers leicht für Müllers Plan zu gewinnen war, musste der Gewerkschaft etwas geboten werden. „Kein Kumpel darf ins Bergfreie fallen“ ist seit Jahrzehnten die Forderung der Gewerkschaft der Bergarbeiter. Der Satz, von Müller als Zauberformel in sein Repertoire übernommen, erwies sich als „Sesam, öffne Dich“.

Den Bergarbeitern ging es schon lange vor allem darum, möglichst frühzeitig von der Maloche unter Tage los zu kommen und mit etwa 50 Lebensjahren in einen gut dotierten Ruhestand zu wechseln. Die Ängste der Kumpel kreisten nicht um die sichere Energieversorgung oder eine nationale Kohlereserve, sondern um ein abruptes Ende ihrer Jobs, wie sie es in anderen Industriezweigen beobachten mussten. Die Arbeit unter Tage schafft ein besonderes Bewusstsein, den großen und berechtigten Stolz auf eine Leistung, die die Grundlage des westdeutschen Wirtschaftswunders in den 20 Jahren nach dem Zusammenbruch 1945 war. Bayern z. B. profitierte nicht nur von den Kohlelieferungen, sondern 36 Jahre lang von Hilfszahlungen aus NRW im Länderfinanzausgleich. Nun brauchen die Kumpel die Hilfe und sie sehen darin keine Almosen, sondern eine gerechtfertigte Belohnung für früher erbrachte Leistungen.

Am Mittwoch 07.02.2007 beschloss die Kohlerunde mit Bundesministern und Landeschefs, mit RAG und Gewerkschaft das Ende der Bergbausubventionen zum Jahre 2018. NRW erhielt noch die Zusage, nur bis 2014 zahlen zu müssen. Der SPD zuliebe soll der Ausstieg aus dem deutschen Steinkohlebergbau im Jahre 2012 noch einmal überprüft werden.

Danach erklärten alle Beteiligten, wie zufrieden man mit dem Ergebnis sei.

Wenn das so stimmte, fragt man sich, weshalb das Ganze nicht schon früher möglich war. In Wahrheit war das Glück sehr unterschiedlich verteilt. Es gab zwei große Sieger, einen Beteiligten, der zwar nicht glücklich, aber zufrieden war, und einen klaren Verlierer. Dr. Werner Müller konnte sein Glück auf der Pressekonferenz nur mühsam verbergen. Auch Rüttgers war am Ziel seiner Wünsche. IGBCE-Chef Schmoldt fügte sich scheinbar ins Unvermeidliche, aber er hatte geschafft, was er sich vorgenommen hatte. Kein Kumpel fällt ins Bergfreie.

Verloren hatte die SPD, die über Jahrzehnte den Schulterschluss mit der Gewerkschaft praktiziert hatte, aber nun – nolens, volens – auf dem Weg folgen musste, den Müller und Schmoldt schon Monate vorher planiert hatten. Man hatte ja nie ein eigenes Konzept zu erarbeiten gewagt.

Verloren haben auch die Kohlerückzugsregionen, in denen 35.000 Arbeitsplätze ersatzlos verschwinden. Dazu kommen die Zulieferbetriebe und ihre Beschäftigten, die keine Garantien wie Bergleute haben. Es wird 10 bis 20 Jahre dauern, bis neue Strukturen mit neuen Arbeitsplätzen entstehen werden. Die Bergleute von heute brauchen sie nicht. Erst ihre Kinder oder Enkel werden später über den Strukturwandel berichten können, ob gelungen oder nicht.

Jetzt endlich beginnt das Nachdenken der lokalen Politik über die Zeit nach dem Bergbau. Frühere Initiativen waren immer auf Misstrauen gestoßen. Man kennt es seit den 60er Jahren: In Herten wurde ein Ford-Werk verhindert, um dem Bergbau keine Konkurrenz um die damals noch knappen Arbeitskräfte zu machen. In Bochum wurde erst nach schweren Kämpfen das Opel-Werk auf ehemaligem Zechengelände möglich.

In Marl konnte man sich nicht zu einer nachhaltigen Unterstützung einer IT-Akademie aufraffen, die neue hoch qualifizierte Beschäftigung schaffen sollte. Nicht geeignet für Bergleute, befand der Chef des Arbeitsamtes. Vollkommen richtig. Aber verstanden hatte der Mann nichts.

Nun hofft der Kreis Recklinghausen auf seinen Landrat, der mit wenigen Gleichgesinnten (schon seit 2000, vier Jahre vor seinem Wahlsieg) an Zukunftsprojekten für die Region arbeitet. Er hat einen ganzen Stapel von Projektideen im Schreibtisch, sie auch in Düsseldorf bekannt gemacht, und wartet auf Unterstützung vom Land. Noch fehlen konkrete Zusagen zu notwendigen Hilfen. Geht´s jetzt los?

Es muss sofort losgehen. Mancher meint ja, dass gerade seine Zeche die letzte sein wird und bis 2018 arbeitet. Noch wagt man keine Schließungsdaten für einzelne Zechen zu nennen. 2012 hieße, dass man nur noch 5 Jahre Zeit hätte.

 

 

28.12.2006 (am 14.02.2007, dem Valentinstag, überarbeitet)

                              Die Koalition der Vernunft ist gescheitert

Die Fraktionen des Rates der Stadt Marl müssen über den Stil und die Dramaturgie der Ratssitzungen gründlicher und auch selbstkritisch nachdenken.

Die Aufführungen im Ratssaal
sind seit etwa 10 Jahren schlechtes Theater. Die Akteure spielen Rollen. Poltern, Mosern, Meckern oder scharfe Attacken gefallen ihnen besser als gute Argumente, die es auch gibt. Komödien sind unfreiwillige Ausreißer. Bevorzugt wird die Tragödie. Die Zuhörer sind selten zufrieden. Es ist für alle Beteiligten hart, die Sitzung bis zum Ende durchzustehen. Im Gegensatz zu den Kreistagsmitgliedern haben die Marler Räte einen schweren Job, der ein zusätzliches Schmerzensgeld rechtfertigen würde. Es dauert immer mindestens doppelt so lange wie eine Kreistagssitzung.

Schon zu Zeiten des Bürgermeisters Fliedner (SPD) in den 90er Jahren war zu hören: „Herr Bürgermeister, Sie haben doch nicht alle Tassen im Schrank!“ (Schulte-Kemper). Streit über Paragrafen der Gemeindeordnung und Rechthabereien waren schon damals an der Tagesordnung. Fliedner hat in seiner trockenen Art als Jurist damit keine ernsthaften Schwierigkeiten gehabt. Weil dieser Stil in Marl seit langem üblich ist, scheint man ihn für normal zu halten.

Heute gibt es nur einen wesentlichen Unterschied: Die SPD unterstützt die CDU gegen die Bürgermeisterin. Die größte Fraktion im Rat trägt für das Klima eine besondere Verantwortung, selbst wenn die übelsten Anwürfe von anderen kommen. Man muss dazu Stellung nehmen. Oder muss man ein Auge zudrücken, weil man jetzt mit der CDU Politik macht. Was wirft man der Bürgermeisterin Frau Heinrich eigentlich vor?

Defizite in der Information
Sie informiert den Rat weder vollständig noch rechtzeitig. Diese Kritik trifft zu, hilft aber nicht. Es gibt nun mal Verwaltungshandeln, das man (noch) nicht gern der Politik offen legt, erst recht, wenn man es mit Hubert Schulte-Kemper zu tun hat, der schnell eine eigene Pressekonferenz anberaumt. Das ist auch in anderen Städten so, weil im Rathaus hauptamtliche, meist verschwiegene Leute sitzen, in den Räten aber Leute, die in der Öffentlichkeit Punkte machen wollen.

Nur ein Zwischenspiel
war die „Koalition der Vernunft“ der SPD mit der Bürgermeisterin. Sie hielt ein Jahr und brachte beim Thema Westerweiterung einen wichtigen Erfolg. Das Bündnis ist im persönlichen Bereich gescheitert. Trotz ihrer 19 von insgesamt 26 Stimmen des Bündnisses spielte die SPD nicht die Hauptrolle, die ihr zustand. Mit Frau Heinrich ist schlecht Kirschen essen. Das wusste man längst, nachdem sie ihren früheren Parteivorsitzenden so gründlich abgeblockt hatte. Schulte-Kemper erlebte die größte persönliche Enttäuschung seines Lebens. Sie neigt nicht gerade zu Kompromissen. Man muss mit ihr sehr zielbewusst verhandeln, um die eigene Sicht durchzusetzen. Möglich ist es. Wenn man es nicht schafft, zeigt es eigene Schwächen auf. Die Linie, die die SPD nach der Wahl 2004 eingeschlagen hat, ist gescheitert.

 

 

 

15.10.2006              Das Ende des heimischen Bergbaus

Kohle ist schon sehr bald der weltweit wichtigste Rohstoff. Wir brauchen die Kohle zur Stromerzeugung und auch für die Chemie, wenn das Öl zu Ende geht. Zum Glück gibt es Kohle weltweit noch für etwa 400 Jahre. In Deutschland haben wir die größten Lagerstätten für Braunkohle, die auch wirtschaftlich gewonnen werden kann.

Steinkohlevorkommen gibt es auf der ganzen Welt, von Kanada bis Australien. Die Importkohle kostet hier (einschl. Fracht) nur ein Drittel der deutschen Kohle. Der Preis ist ziemlich stabil, da es viele Anbieter gibt. Der deutsche Steinkohlenbergbau wird mit Hilfe von Milliarden Subventionen nur noch mühsam am Leben gehalten. Gleichzeitig entwickelt sich unsere Region zum Armenhaus. Wir könnten unsere Zukunftschancen verbessern, wenn wir die Kohlehilfen schnell beenden und wenigstens einen Teil der Gelder in die Verbesserung der regionalen Infrastruktur und Bildungseinrichtungen umleiten könnten. Wir haben zum Beispiel einen enormen Nachholbedarf bei Hochschulen, Bahnhöfen und beim U-Bahn-Bau. Da gibt es auch Arbeit für ehemalige Bergleute. Der Vergleich mit den Städten des südlichen Ruhrgebietes macht deutlich, wie weit wir zurück gefallen sind. In Essen, Bochum, Dortmund ist man die Last des Bergbaus schon vor langer Zeit losgeworden und hat sich neuen Aufgaben zugewandt.

Fußballfans mögen sich den Film zur WM 2006 ansehen. Jürgen Klinsmann erklärt darin, wie schädlich das Festhalten an alten Strukturen ist und dass man energische Anstrengungen besser auf die Zukunft richtet. Nur wer nach vorn spielt, kann gewinnen.

Natürlich kommt jetzt das Argument der Selbstversorgung. Das mag vor 70 oder 95 Jahren gegolten haben, als man daran dachte, allein gegen den Rest der Welt Krieg zu führen. Heute kann eine international so verflochtene Volkswirtschaft wie die deutsche nicht mehr in diesen Kategorien denken. Die Versorgung mit Rohstoffen wird auf privatwirtschaftlicher Basis sichergestellt. Unsere prosperierende Stahlindustrie beschafft sich Erze und Kokskohle selbst. Auch in der Chemie denkt niemand daran, die Rohstoffversorgung vom Staat organisieren zu lassen. Die deutschen Steinkohle-Kraftwerke setzen seit Jahren zunehmend Importkohle ein, jetzt schon zu mehr als 60 %.

Politisch mag es immer noch anstößig sein, solche Dinge klar auszusprechen. Zu tief sitzen die emotionalen Bindungen an die heimische Kohle. Aber im kleinen Kreis wird politisch Klartext gesprochen. Außerhalb von NRW gibt es keine Unterstützung mehr für den Ruhrbergbau. Selbst im Sauerland, im Siegerland und sogar im südlichen Ruhrgebiet denkt man ernsthaft über das Ende nach, sogar in der SPD und bei Gewerkschaftern.

Der entscheidende Punkt ist, ob wenigstens ein Teil der Kohlehilfen für den Strukturwandel zu retten ist. Skepsis ist da verständlich. Aber nur die Offensive bringt uns die Chance zu gewinnen. Die geeigneten Projekte müssen schon jetzt ausgearbeitet werden, damit man strategisch gut vorbereitet in den Kampf ums Geld gehen kann. Wie Klinsmann sagte: Wir müssen nach vorne spielen!

In der Politik setzt man sich ungern einem persönlichen Risiko aus. Deshalb wird die hiesige SPD den Vorschlag nicht machen. Das ist eine einfache Voraussage. Andreas Krebs und Michael Groß kämpfen heroisch um die Kohlehilfen, die Sicherung des Erreichten.

Was wird geschehen? Zu einem geeigneten Zeitpunkt, z.B. wenn die Zahl der Arbeitslosen unter 4 Millionen sinkt, erklärt die NRW-Landesregierung das Ende der Landes-Kohlehilfe. Gleichzeitig werden Strukturhilfen für die Region angekündigt. Die hiesige CDU legt einen Katalog von Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur vor. Die SPD wird sich um die Bergleute kümmern, von denen die meisten gern in einen gut dotierten Vorruhestand gehen.

 

 

28.09 2006          Schwedische Betonkiste ist zu teuer

Friedrich Dechert hat wieder einmal den Finger auf eine Wunde gelegt: Der geplante Erweiterungsbau des Museums Glaskasten kann für 3,5 Millionen Euro nicht gebaut werden. Er kostet das Doppelte. Gut ist, dass die Stadt vor einer Erteilung des Planungsauftrages an die schwedischen Sieger des Architektenwettbewerbes noch eine Kostenschätzung verlangt hat. Schlecht ist, dass sich offenbar keiner der Architekten des Wettbewerbs an den Kostenrahmen gehalten hat.

Was nun? Mehr Geld dürfte kaum zu holen sein. Eine Verkleinerung des Baukörpers würde den Wert der Erweiterung erheblich mindern. Warum beauftragt man nicht einen heimischen Architekten mit klaren Vorgaben für einen preisgünstigeren Bau? Da könnte man auf Ideen der Wettbewerbsteilnehmer zurückgreifen und ein Gebäude errichten, das die erforderliche Ausstellungsfläche schafft und die Besucher dadurch anlockt, dass man durch Glaswände von außen in die Ausstellung hineinblicken kann. Das ist doch die Idee des Glaskastens immer gewesen. Gerber Architekten, die Dortmunder Spezialisten für Museumsbauten, haben einen Vorschlag gemacht, dessen Grundgedanke wert ist, aufgegriffen zu werden. Bloß muss der Erweiterungsbau vor dem Rathaus errichtet werden, nur ein Geschoss hoch, um das Rathaus nicht zu verdecken, aber auch ein Geschoss tief. Damit schafft man auf der Ebene des vorhandenen Kellergeschosses einen Saal, der etwa 8 m hoch ist und von der Platzebene eingesehen werden kann. Im Eingangsbereich kann das Museumscafe platziert werden.

Innenraumperspektive Dieser Baugedanke sollte als Vorentwurf mit Kostenschätzung ausgearbeitet werden. Der Rat der Stadt müsste dann neu entscheiden.

 

 

22.09.2006          Flugplatz Loemühle

Dank der  Zustimmung der SPD-Fraktion im Rat der Stadt zu einem Weiterbetrieb des Verkehrslandeplatzes bleibt eine wichtige Anlage der regionalen Infrastruktur erhalten. Sie soll nicht nur den Hobbyfliegern dienen. Mal sehen, was die heimische Wirtschaft daraus macht.

 

28.09.2006          Kohleausstieg beschlossene Sache?

Am 24. August 2006 fand in Dorsten-Wulfen ein außerordentlicher Parteitag der SPD des Kreises Recklinghausen statt. Die Entwicklung des Parteiprogramms zur „Erringung der Mehrheit 2009“ wurde eingeleitet. Aber der Vorsitzende blieb in der Gegenwart. Kein Gedanke, dass man sich mit dem Ende des Kohlebergbaus beschäftigen müsse, das von allen Beteiligten (einschl. RAG) programmiert wird und in Kürze die hiesige SPD total überraschen dürfte.

Das Festklammern an alten, veralteten Strukturen stellt das Haupthindernis für eine gedeihliche Entwicklung  unserer Region dar.

Dazu passt diese Meldung des WDR vom 28.09.2006: „Kohleausstieg beschlossene Sache?“

Das Ende der Kohlesubventionen ist nach Darstellung der nordrhein-westfälischen Landesregierung beschlossene Sache. Es gehe nur noch um den Zeitpunkt, "nicht um das Ob des Auslaufens des subventionierten Bergbaus", sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) am Donnerstag (28.09.06) in einer Aktuellen Stunde des Landtags. Darauf hätten sich alle Teilnehmer des Spitzengesprächs zur Zukunft der Kohle in Berlin grundsätzlich verständigt. Der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt, hatte dagegen bestritten, dass es in Berlin eine Einigung über das Ende des Bergbaus gegeben habe.

Thoben nannte kein Datum für das Ende der Subventionszahlungen. Der Bergbaukonzern RAG hatte Berechnungen vorgelegt, nach denen ein Kohleausstieg ohne betriebsbedingte Kündigungen erst im Jahr 2018 möglich sei. Landes- und Bundesregierung hätten dieser Modellrechnung "inhaltlich nicht zugestimmt", betonte Thoben. FDP und Grüne halten einen deutlich früheren Ausstieg aus der Kohle für möglich. Die Liberalen wollen die Zahlungen aus den öffentlichen Kassen bereits 2012 einstellen, die Grünen halten das Jahr 2015 für den richtigen Zeitpunkt.

Die endgültigen Entscheidung zum Börsengang der RAG und zum Ende der Subventionen sollen im Frühjahr 2007 fallen.

 

 

05.09.2006          „Milchmädchen oder Pappkamerad“

Die WAZ bereitete in ihrem Marler Lokalteil ihren Lesern Spaß, indem sie die charmanten Ausdrücke aufgriff, mit denen sich Marls Kämmerer und der Landrat beharkten: Milchmädchen und Pappkamerad. Es ging ums fehlende Geld. Der Marler Kämmerer Joachim Hasselmann ist seit fast 16 Jahren im Amt. Sein Haushalt befand sich immer im Defizit. Als er vor 8 Jahren zur Wiederwahl kandidierte, hatte die Marler SPD, die ihn einst geholt hatte, das Vertrauen zu ihrem Parteimitglied längst verloren. Trotzdem wurde er wieder gewählt, weil ihn die CDU wollte. Er wurde Mitglied der CDU.

Nun machte er weiter kräftig zusätzliche Schulden und versprach erneut Jahr für Jahr, dass er den Haushalt konsolidieren wolle. Seine Konzepte griffen nie. Er muss sich etwas Neues ausdenken, denn wer sollte einen so erfolglosen Dezernenten ein weiteres Mal für 8 Jahre wählen?

Einzuräumen ist, dass die Entwicklung der Wirtschaft, die sozialen Lasten und die politischen Rahmenbedingungen auch anderen Stadtkämmerern der Region erhebliche Probleme bereiten. Der CDU-Politiker Hasselmann will nicht die Landesregierung unter Rüttgers (CDU) als wahre Schuldige benennen, weil er die Stimmen der Marler CDU für seine Wiederwahl braucht. Da kommt ihm der Landrat Jochen Welt (SPD) gerade recht.

Das Ablenkungsmanöver versagt. Der Landrat ist nicht für die unzureichende Finanzausstattung der kommunalen Ebene durch das Land verantwortlich, im Gegenteil: er ist selbst davon höchst unangenehm betroffen, weil Landeszuschüsse wegfallen. Nur tut der Kreis etwas Konstruktives für sich und die 10 Städte, die ihn per Umlage finanzieren. Jochen Welt hat eine Sparkommission eingesetzt. Er verhält sich freiwillig so, als sei auch der Kreis unter den Zwängen der Haushaltssicherung. Er baut Stellen ab, bei den Indianern und auch bei den Häuptlingen.

Anders in Marl: Anstatt zum Beispiel durch Verzicht auf die Marler Feuerwehrleitstelle zu sparen, will man die versäumte Bauunterhaltung der Scharoun-Schule vom Kreis bezahlt haben. Beim Grimme-Institut half der Kreis noch aus Mitteln, die eigentlich für Zukunftsinvestitionen gedacht waren, nicht für Versäumnisse der Vergangenheit.

Hasselmann will die Erfüllung der Kreisaufgaben nur „auf niedrigstem Niveau“. Und was wird dann aus der Westerweiterung des Chemieparks, die Stadt und Kreis brauchen, aber ohne das Geld vom Kreis nicht realisiert werden kann? Der Kreis stranguliert die Städte nicht. Dass Herrn Hasselmann der Kragen eng wird, kann man gut verstehen.

 

 

27.06.2006          Die Bürgermeisterin entmachten

CDU-Chef Schulte-Kemper braucht die SPD-Fraktion für die Durchsetzung seiner Ziele. Der erste bekannt gewordene Vorschlag dient dazu, der Bürgermeisterin die Wirtschaftsförderung aus der Hand zu winden, ganz gewiss nicht wegen mangelnder Erfolge auf diesem Sektor. Man wird beobachten müssen, welche Personen welche neuen attraktiven Posten besetzen werden, wobei die Organisation sicherstellt, dass sie keine Verantwortung tragen, weil sie die nötige Kompetenz nicht mitbringen.

 

 

09.03.2006        Dann will es keiner mehr gewesen sein.

                            Zur Erweiterung des Museums „Glaskasten“

Der vom Preisgericht favorisierte schwedische Entwurf sollte vom Rat der Stadt nicht zur Ausführung bestimmt werden. Er berücksichtigt in keiner Weise kunstpädagogische Ziele. Der Neubau als Betonbauwerk hinter dem Rathaus verschließt sich dem Bürger, als wollten die Kunstverständigen, abgehoben vom Boden, ungestört bleiben. Diese Architektur dürfen wir den Bürgern, die in Marl viele dringendere Bauaufgaben sehen, nicht zumuten.

Ich schlage vor, das Wettbewerbsergebnis zu verwerfen und einen Marler Architekten mit dem Entwurf eines verglasten Flachbaus zu beauftragen, der vor dem Sitzungstrakt liegt und sich zum Platz hin öffnet. Der Blick in die Museumshalle von außen oder vom Cafe aus, das im Eingangsbereich auf einer Empore des neuen Ausstellungssaals liegt, würde die Menschen auf die Skulpturen neugierig machen.

Wenn man das Museum fördern will, muss man den gutwilligen Bürgern entgegen kommen. Aus dem Glaskasten darf keine Betonkiste werden, die den Durchgang vom Creiler Platz nach Brassert optisch versperrt. Wenn man vom Parkhotel kommt und das Rathaus von hinten betrachtet, sieht man heute die 16 Fenster im Riegel der Fraktionsbüros. Die Wand ist mit hellen Marmorplatten verkleidet. Wenn der schwedische Entwurf gebaut sein sollte, sieht man davon nichts mehr, sondern eine  weiße Betonwand, 86 m breit und 8,50  m hoch. Da muss man drunter durch, um auf den Rathausplatz zu kommen.

So darf es nicht kommen – und so wird es nicht kommen. Der Rat darf nicht dünkelhaft den Volkszorn herausfordern. Die Ratsmitglieder tragen selbst die Verantwortung, nicht die Ratgeber. Es würde nicht lange dauern, dann will es keiner mehr gewesen sein.

 

15.02.2006          Kein Haushalt für die bankrotte Stadt

Der Haushalt der Stadt bleibt das lokale Hauptproblem. Über ein Jahr beteiligte sich die SPD an der Ausarbeitung des Doppelhaushalts 2005/2006 und beschloss ihn auch in der Ratssitzung Dezember 2005. Gleichzeitig wurde aber erklärt, man käme mit der Bürgermeisterin nicht mehr klar. Ihr Ansatz sei unseriös, womit man sich der Oppositionsmeinung anschloss. Warum hat die SPD diesen Haushalt nicht als großen Erfolg gefeiert? Gemeinsam mit der Bürgermeisterin hätte man den Etat gegenüber der Kommunalaufsicht, dem SPD-Landrat, so nachdrücklich vertreten können, dass dem Landrat nichts anderes verblieben wäre, als das eine oder andere Haar in der Suppe zu übersehen.

Nun haben wir gar keinen Haushalt und es ist nicht abzusehen, wie in den Folgejahren noch mal eine Haushaltsmehrheit zustande kommen soll. Die SPD-Fraktion will sich eigenständig äußern. Um im Rat der Stadt Mehrheiten zu bilden, muss man mit der CDU zusammenarbeiten, die die Bürgermeisterin bekanntlich hart bekämpft.

 


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update: 17.07.2008
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